KGV-Rechner – Kurs-Gewinn-Verhältnis berechnen
Bewertungs-Ampel · Branchen-Benchmark · Fairer Kurs · PEG-Ratio
Drei Berechnungsrichtungen: KGV berechnen mit Bewertungs-Ampel und Branchen-Benchmark, fairen Kurs aus GpA und Ziel-KGV ermitteln (Über-/Unterbewertung in %) und PEG-Ratio nach Peter Lynch berechnen.
Was ist das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)?
Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis, englisch: P/E Ratio — Price-to-Earnings) ist die meistgenutzte Kennzahl der Fundamentalanalyse. Es beantwortet: „Wie viele Jahresgewinne zahle ich heute für diese Aktie?“
Ein KGV von 20 bedeutet: Der Markt zahlt 20 € für jeden Euro Jahresgewinn. Oder anders: Würde das Unternehmen 100 % des Gewinns ausschütten und der Gewinn bliebe konstant, hätte man seinen Einsatz nach 20 Jahren zurück. Das KGV allein sagt wenig — erst im Branchenvergleich, im Zeitverlauf und kombiniert mit Wachstum wird es aussagekräftig.
📐 Die Formeln
KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie (GpA)
Fairer Kurs = GpA × Ziel-KGV
PEG-Ratio = KGV / Gewinnwachstum (%) — korrigiert KGV um Wachstum
Earnings Yield = 1 / KGV × 100 % — implizite Aktienrendite
Die drei KGV-Varianten — nachlaufend, vorausschauend, Shiller
Nicht jedes KGV ist gleich. Welche Variante du verwendest, beeinflusst das Ergebnis erheblich:
| Variante | Basis | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Trailing P/E (nachlaufend) | Tatsächlicher Gewinn letzte 12 Monate | Keine Prognose, historisch belegt | Vergangenheit sagt nichts über Zukunft |
| Forward P/E (vorausschauend) | Analystenprognose nächste 12 Monate | Zukunftsorientiert, oft relevanter | Prognosen oft zu optimistisch |
| Shiller-CAPE | 10-Jahres-Durchschnitt, inflationsbereinigt | Glättet Konjunkturzyklen stark | Wenig hilfreich für Einzelaktien |
Rechenbeispiel: Trailing vs. Forward P/E
Aktienkurs: 120 €. Gewinn 2023 (tatsächlich): 5,00 € → Trailing P/E = 24
Gewinnprognose 2024 (Analysten): 6,50 € → Forward P/E = 18,5
Unterschied: 24 vs. 18,5 — bei derselben Aktie. Welches KGV ist „richtig“? Beide, je nach Blickwinkel. Die Wahrheit liegt oft dazwischen — wenn das Unternehmen die Prognose erfüllt.
KGV-Benchmarks nach Branche (aktuell 2024/2025)
| Branche | Typisches KGV | Warum? |
|---|---|---|
| Technologie (Cloud, SaaS) | 25–50+ | Starkes Wachstum rechtfertigt Premium |
| Technologie (reife Unternehmen) | 18–30 | Solides Wachstum, hohe Margen |
| Pharma / Gesundheit | 15–30 | Pipeline-Risiken und Patentkliffs |
| Verbrauchermarken (Konsumgüter) | 20–30 | Stabile Cashflows, Markenstärke |
| Industrie / Maschinenbau | 13–22 | Konjunkturzyklen stark spürbar |
| Versorger | 12–22 | Stabile Dividenden, reguliert, defensiv |
| Energie | 8–16 | Rohstoffpreisabhängig, zyklisch |
| Banken / Finanzen | 7–14 | Regulierung, Kreditrisiken, niedrige Wachstumserwartung |
| Automobilindustrie DE | 4–10 | Strukturwandel (E-Mobilität) drückt Bewertung |
⚠️ Das KGV versagt bei diesen Unternehmen
Verlustunternehmen: Kein Gewinn = kein sinnvolles KGV (negativ oder nicht definiert). Alternative: KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) oder EV/EBITDA.
Zykliker im Tief: Beim Konjunkturtief ist der Gewinn eingebrochen, das KGV erscheint hoch — obwohl die Aktie günstig sein kann.
Immobiliengesellschaften (REITs): Abschreibungen verzerren den Buchgewinn massiv. Besser: FFO (Funds from Operations).
Einmaleffekte: Sondergewinne oder Abschreibungen verzerren den Gewinn eines Jahres stark. Im Trailing P/E dann bereinigten Gewinn (adjusted EPS) verwenden.
PEG-Ratio: KGV korrigiert um Wachstum
Peter Lynch popularisierte die PEG-Ratio als Erweiterung des KGV: Sie setzt das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum.
PEG = KGV / Gewinnwachstum (%)
PEG < 1: Aktie möglicherweise unterbewertet relativ zum Wachstum
PEG = 1: Fair bewertet (Lynch-Daumenregel)
PEG > 1: Aktie möglicherweise zu teuer für das gebotene Wachstum
Beispiel A: KGV 40, Gewinnwachstum 40 % → PEG = 1,0 → fair
Beispiel B: KGV 15, Gewinnwachstum 8 % → PEG = 1,875 → teurer als es wirkt
Einschränkung: PEG funktioniert gut für Wachstumsunternehmen, aber nicht für Versorger oder Banken mit Wachstumsrate nahe 0.
Earnings Yield: Aktien vs. Anleihen vergleichen
Die Earnings Yield (= 1/KGV) macht Aktien mit Anleihen vergleichbar. Sie zeigt die implizite Rendite wenn der Gewinn konstant bliebe.
| KGV | Earnings Yield | Vergleich 10-J-Bundesanleihe ~2,5 % |
|---|---|---|
| 10 | 10,0 % | Aktie 4× attraktiver als Anleihe |
| 15 | 6,7 % | Aktie deutlich attraktiver |
| 20 | 5,0 % | Aktie noch attraktiver (Risikoprämie ~2,5 %) |
| 30 | 3,3 % | Geringe Risikoprämie — erhöhtes Bewertungsrisiko |
| 40 | 2,5 % | Gleich wie Anleihe — nur durch Wachstum gerechtfertigt |
Häufige Fragen zum KGV
Trailing P/E basiert auf dem tatsächlichen Gewinn der letzten 12 Monate — historisch belegt, keine Unsicherheit. Forward P/E nutzt die Analystenprognose für die nächsten 12 Monate — zukunftsorientierter, aber mit Prognoserisiko. Studien zeigen: Analystenprognosen überschätzen systematisch das Gewinnwachstum um 5–10 %. Das Forward P/E wirkt deshalb oft günstiger als es tatsächlich wird. Shiller-CAPE (Cyclically Adjusted P/E) verwendet den 10-Jahres-Durchschnitt inflationsbereinigt — ideal für Marktvergleiche, weniger für Einzelaktien.
Bei starkem und nachhaltigem Gewinnwachstum. Prüfmethode PEG-Ratio: Ein KGV von 40 bei 40 % Gewinnwachstum = PEG 1,0 (nach Lynch: fair). Ein KGV von 15 bei 5 % Wachstum = PEG 3,0 (teuer). Weitere Gründe für gerechtfertigtes Premium-KGV: dominante Marktstellung (Pricing Power), hohe Wiederkehrende Umsätze (SaaS, Abo-Modelle), strukturelles Wachstumsfeld (KI, Demografie), oder nachweislich hohe Kapitalrendite (ROCE > 20 %).
Earnings Yield = 1/KGV × 100 %. Bei KGV 20: 5 % implizite Aktienrendite. Der Vergleich mit dem risikofreien Zins (10-jährige Bundesanleihe, aktuell ~2,5 %) ergibt die implizite Risikoprämie: 5 % − 2,5 % = 2,5 % Aktienrisikoprämie. Historisch liegt die faire Aktienrisikoprämie bei 3–5 %. Sinkt sie unter 2 %, sind Aktien relativ zu Anleihen teuer. Steigt sie über 6 %, sind sie historisch günstig.
S&P 500 (Trailing P/E): historischer Langfristdurchschnitt ~16–17. In Niedrigzinsphasen 2010–2021 oft 20–25. Aktuelle Bewertung (2024/2025): ~22–24 — über dem historischen Mittel. DAX: historisch ~13–15 durch höheren Anteil an Zykliker und Automobilindustrie. Shiller-CAPE S&P 500: historisch ~16, aktuell ~32 — deutlich erhöht, was für niedrigere Langfristrenditen spricht aber kein verlässlicher Timing-Indikator ist.
Wenn kein Gewinn vorhanden ist: KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) für Wachstumsunternehmen ohne Gewinn. EV/EBITDA für kapitalintensive Unternehmen — bereinigt um Abschreibungen und Finanzierungsstruktur. EV/Sales bei negativem EBITDA. KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) für Banken und Immobilien. FFO für REITs statt Gewinn. Kein einziges Kennzahl reicht — immer mehrere kombinieren.
Nein — das ist die häufigste Falle bei der KGV-Analyse. Eine sogenannte Value Trap: Die Aktie wirkt günstig (niedriges KGV), aber der Gewinn bricht in Folgeperioden ein. Typische Warnsignale: sinkende Margen trotz wachsenden Umsatzes, struktureller Wandel in der Branche (Beispiel: Printmedien, traditionelle Einzelhändler), hohe Verschuldung die künftige Gewinne belastet, Goodwill-Abschreibungsrisiken. Immer zusätzlich prüfen: Ist der Gewinn nachhaltig? Wächst oder schrumpft er?
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Daniel Niedermayer
Geschäftsführer, Fixrechner.de
Zuletzt geprüft: April 2026
Grundlagen
- Peter Lynch: „One Up on Wall Street“ – PEG-Ratio Methode
- Shiller, R.J.: Cyclically Adjusted Price-to-Earnings (CAPE) Methodology
Unsere Methodik
KGV = Kurs / GpA. Fairer Kurs = GpA × Ziel-KGV. Unter-/Überbewertung = (Kurs / Fairer Kurs − 1) × 100. PEG = KGV / Wachstum. Earnings Yield = 1/KGV × 100. Branchen-Benchmarks basieren auf historischen Durchschnittswerten 2020–2025.
Mehr zur MethodikFixrechner.de – „Alles ist berechenbar“. Einziger DE-KGV-Rechner mit Bewertungs-Ampel, 11 Branchen-Benchmarks, Fairer-Kurs-Berechnung und PEG-Ratio in einem Tool.
Branchen-Benchmarks
11 Branchen-KGV-Richtwerte für kontextrelevanten Vergleich.
Fairer Kurs
\u00dcber-/Unterbewertung in % auf Basis von GpA × Ziel-KGV.
Datenschutz
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Letzte Aktualisierung: April 2026


